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WORKSHOP
VON KNOTEN UND KANTEN?
Netzwerktheoretische Ansätze zur Untersuchung der osmanischen und deutschen
Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert

21.-22. Februar 2014, Historisches Seminar der Universität Heidelberg

[english version below]

Mit Vorträgen von:

  • Prof. Dr. Adelheid von Saldern (Universität Hannover)
  • Prof. Dr. Stefan Reichmuth (Ruhr-Universität Bochum)
  • (Prof. Dr. Christoph K. Neumann (LMU München, entfällt)

Und mit Moderation von :

  • Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern (Universität Heidelberg)
  • Johannes Zimmermann, M.A. (Universität Heidelberg)
  • Dr. Stefanie van de Kerkhof (Universität Mannheim)

Im Rahmen des anderthalbtägigen Workshops werden Möglichkeiten der Operationalisierung von Netzwerktheorien für die Analyse politischer, ökonomischer und sozialer Entwicklungs- und Wandlungsprozesse in der geschichtswissenschaftlichen Forschung diskutiert. Ziel des Workshops ist es, netzwerktheoretisches Arbeiten anhand thematischer Beispiele und konkreter Forschungsprojekte zur deutschen und osmanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert zu erproben. Auf diese Weise soll der Nutzen der Theorie für unterschiedliche Fragestellungen diskutiert werden. Die Workshop-Tage werden jeweils eingeleitet von einem Vortrag von Prof. Dr. Adelheid von Saldern (Universität Hannover) zum deutschen Raum und von einem Vortrag von Prof. Dr. Stefan Reichmuth (Ruhr-Universität Bochum) zum islamwissenschaftlichen und osmanischen Kontext. Wir laden Historiker_innen und historisch arbeitende Sozialwissenschaftler_innen dazu ein, Chancen und Grenzen von netzwerkanalytischen Zugängen gemeinsam zu erörtern.

Im Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts bilden der Deutsche Bund und das spätere Deutsche Reich, wie auch die Territorien des Osmanischen Staates für die „Erprobung“ und Anwendung von netzwerkanalytischen Ansätzen besonders interessante Untersuchungsfelder. In beiden Fällen handelt es sich um politisch, soziokulturell und gesellschaftlich heterogene Räume, die besonders ab dem 19. Jahrhundert tiefgreifende Transformationsprozesse durchliefen. Sowohl im deutschen als auch im osmanischen Kontext kann von einer „Übergangszeit“ gesprochen werden, die bspw. auf politischer und ökonomischer Ebene von Unsicherheiten geprägt war. In diesem Zusammenhang konnten institutionelle Arrangements an Bedeutung verlieren und überkommene Legitimationen erodieren. Dies hing einerseits damit zusammen, dass beide historischen Räume den sich global verbreitenden Ideen und Entwicklungen der sich besonders in Europa manifestierenden „Moderne“ ausgesetzt waren, welche sich mit Schlagworten wie u. a. Nationalismus, Imperialismus oder Industrialisierung fassen lassen. Gleichzeitig durchliefen beide Räume, in Abgrenzung bspw. zu Frankreich als früher Nationalstaat oder England als Industrialisierungsland erster Stunde, in Bezug auf diese globalen Entwicklungen aber ganz eigene Entwicklungspfade. Diese Gemeinsamkeit macht eine parallele Betrachtung beider Räume attraktiv. Dadurch, dass das Osmanische Reich und die deutschen Territorien hinsichtlich ihrer politischen und wirtschaftlichen Ausgestaltung ganz unterschiedliche historische Räume bilden, wird ein Vergleich zusätzlich reizvoll. Die Beschäftigung mit den beiden historischen Räumen im Rahmen des Workshops ist schließlich besonders von Interesse, wenn neben osmanisch-deutschen „Interdependenzen“[1] für Staatsbildungsprozesse auch danach gefragt werden kann, inwiefern in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen Parallelen oder aber jeweils eigene Strukturen und Entwicklungspfade vorhanden waren, die Momente der Annäherung zwischen beiden historischen Räumen unterstützen oder gar bezwecken konnten.
Fragt man nach in politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen aktiven Personen und Körperschaften und nach ihrer Interaktion, so avancieren Netzwerke als soziale oder institutionelle Konstrukte, ihre Entstehung und Funktionsweise zu zentralen Untersuchungsgegenständen. Das „soziale Netzwerk“ bildet heutzutage einen omnipräsenten „Modebegriff“, der sich aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch gar nicht mehr wegdenken lässt. Darüber hinaus bildet das soziale Netzwerk auch ein theoretisches Konzept, das innerhalb der Geschichtswissenschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten großen Zuspruch gefunden hat. Die Forschung greift dabei theoretische Ansätze auf, die sich bereits seit den 1970er Jahren in den Sozialwissenschaften etablieren konnten.[2] Um den Begriff des Netzwerks als Analysekategorie für geschichtswissenschaftliche Untersuchungen effektiv nutzen zu können, bedarf es jedoch einer möglichst klaren Definition und Abgrenzung zu anderen sozialen Phänomenen ebenso wie einer Operationalisierung und Anpassung der Theorie auf historische Forschung.
Im Rahmen des Workshops sollen folglich theoretische und methodische Konzepte für netzwerktheoretisch fundierte Forschungsprojekte zur deutschen und osmanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert vorgestellt und diskutiert werden. Der Workshop soll dazu dienen, Netzwerktheorie(n) an zwei unterschiedlichen Kultur- und Sprachräumen mit jeweils eigenen gesellschaftlichen, staatlichen und ökonomischen Charakteristika und
Entwicklungsprozessen zu thematisieren und – aus einer „histoire croissée“ Perspektive auf beide Räume – nach möglichen Parallelen und Wechselwirkungen zwischen der deutschen und der osmanischen Seite zu fragen. Die Konzentration auf zwei historische Räume zielt auch auf eine stärkere Vernetzung der in diesen Themenfeldern aktiven Nachwuchswissenschaftler_innen ab.

Der anderthalbtägige Workshop richtet sich vorrangig an Doktorand_innen und Post-Doktorand_innen, die sich mit Netzwerktheorien und der Erforschung der genannten politischen und territorialen Räume vom 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert beschäftigen. Wir möchten Historiker_innen, aber auch Wissenschaftler_innen der Nachbardisziplinen,
die in diesem theoretischen, zeitlichen oder geographischen Rahmen forschen, einladen, ihr Forschungsprojekt und dessen theoretische Fundierung zu diskutieren und dadurch weiterzuentwickeln. Es ist möglich Forschungsprojekte zu präsentieren, die sich auf beide Territorien oder auch nur auf den deutschen oder den osmanischen Raum beziehen. Die vorgestellten Forschungsprojekte können sich in ihrer Konzeptionsphase oder auch in einem fortgeschrittenen Stadium befinden: Wichtig ist lediglich, dass bereits ein theoretischer Ausgangspunkt und ein Konzept zur Operationalisierung der Theorie im spezifischen Forschungskontext erarbeitet wurde. Dies kann jedoch gerne noch einen „vorläufigen“ Charakter haben, welchen der oder die Vortragende im Rahmen des Workshops diskutieren möchte.

Wir laden Interessentinnen und Interessenten, die ihr Forschungsvorhaben vorstellen möchten, eine zweiseitige Projektskizze mit Vortragsthema bis zum
31. Oktober 2013
an ws-netzwerk-2014@zegk.uni-heidelberg.de zu senden.

Teilnehmende mit Vortrag können eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. Eine Teilnahme ohne die Vorstellung eines eigenen Projektes ist möglich. Im Fall einer Teilnahme ohne eigenen Vortrag ist eine vorherige Anmeldung per Mail bis 31. Januar 2014 notwendig. Das Organisationsteam gibt dann gerne Tipps zur Unterkunft und Anreise.

Veranstaltungsort
Ruprecht-Karls-Universität
Historisches Seminar
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg
Übungsraum (ÜR) 1 & 2
Der Workshop wird am 21. Februar um 13:30 beginnen und endet am folgenden Tag um 17 Uhr. Am ersten Abend ist ein gemeinsames Essen vorgesehen.

Organisation
Der Workshop wird unterstützt und finanziert von der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Die Organisatorinnen, Ayşegül Argıt, M.A., und Rabea Limbach, M.A., sind Doktorandinnen an der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Ihre Forschungsprojekte beschäftigten sich mit ökonomischen Netzwerken frühindustrieller Unternehmer in der Pfalz (Rabea Limbach) und mit Kommunikationsstrukturen sowie politischen und gesellschaftlichen Netzwerken im späten Osmanischen Reich (Ayşegül Argıt).

Kontakt
Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern
z.H. Aysegül Argit, M.A. & Rabea Limbach, M.A.
Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg
E-Mail: ws-netzwerk-2014@zegk.uni-heidelberg.de

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[1] Fuhrmann, Malte: Zwei Völker in Waffen. Türkisch-deutsche Interdependenzen beim nation building, in: Brunnbauer, Ulf, Helmedach, Andreas, Troebst, Stefan (Hg.): Schnittstellen. Gesellschaft, Nation, Konflikt und Erinnerung in Südosteuropa. Festschrift für Holm Sundhausen zum 65. Geburtstag, München 2007, S. 231-244.
[2] Vgl.: Hertner, Peter: Das Netzwerkkonzept in der historischen Forschung. In: Bommes, Michael/Tacke, Veronika: (Hg.): Netzwerke in der funktional differenzierten Gesellschaft, Wiesbaden 2011, S. 67.

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WORKSHOP
WHAT ABOUT THE NODES AND LINKS?
Approaching Nineteenth- and Twentieth-Century Ottoman and German History
through Network Theory
21-22 February 2014
History Department, Heidelberg University

With presentations by

  • Prof. Dr. Adelheid von Saldern (University of Hannover)
  • Prof. Dr. Stefan Reichmuth (Ruhr-Universität Bochum)
  • Prof. Dr. Christoph K. Neumann (LMU Munich, cancelled)

Chairs

  • Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern (Heidelberg University)
  • Johannes Zimmermann, M.A. (Heidelberg University)
  • Dr. Stefanie van de Kerkhof (University of Mannheim)

The workshop will explore possibilities to use network theory for the historical analysis of political, economic, and social processes. It is our goal to ‘test’ network-theoretical approaches by debating their applicability to selected research projects concerning German and Ottoman history in the nineteenth and twentieth centuries. The workshop will host two prominent guest researchers: Prof. Dr. Adelheid von Saldern (University of Hannover) will give a lecture concentrating on the German context, whilst Prof. Dr. Stefan Reichmuth (Ruhr-Universität Bochum) will deal with Islamic and Ottoman history. We would like to invite historians and social scientists to deliberate the possibilities and limitations of network theory for historical research in this workshop.

In the context of the nineteenth and twentieth centuries, the German Confederation and the later German Reich, as well as the dominions of the Ottoman State, are particularly interesting research objects for ‘testing’ and applying network-theoretical approaches. In both the Ottoman and the German contexts, researchers find themselves dealing with territories, which were heterogeneous politically, socially, and culturally. Moreover, both political entities were experiencing a time of transition in this period. This transition was characterized by political and economic instability, which went hand in hand with the erosion of institutional arrangements as well as traditional structures. Viewed in a larger context, such developments can be connected to the fact that both polities were confronted with globally connected ideas and developments that manifested themselves especially in the context of a European vision of ‘modernity’ conceptualized through buzz words such as nationalism, imperialism, and industrialism. What is interesting here is how agents in the Ottoman as well as in the German contexts reacted to and dealt with these notions. When compared to e.g. France as an early nation state or England as a pioneer among industrialized countries, both polities underwent their very own peculiar paths of development. It is this similarity between the Ottoman and German cases which makes a parallel examination of their histories a worthwhile endeavour. Indeed, comparative analysis of the Ottoman Empire and the German territories becomes even more appealing when considering that, despite their similarities, both historical spaces differed significantly in terms of their political and economic configurations. Finally, an engagement with both spaces is absolutely necessary when addressing research questions which attempt to go beyond German-Ottoman ‘interdependencies’ [1] in processes of state building in order to investigate potential parallels on economic and social levels. Here, it is also possible to ask if convergences between the Ottoman and German contexts were supported, or even caused, by particular structures and paths of development within each space.
These research objectives raise questions about the actors and authorities who were active in various political, economic, and social processes and also direct the researchers’ attention to different agents’ ways of interaction and cooperation. In this framework, networks as social or institutional constructions, their emergence, and their functioning become the main focus of analysis. Today, the ‘social network’ as such represents an omnipresent – not to say ‘en vogue’ – concept, which has become part of our everyday language. However, ‘social network’ also refers to a theoretical concept that has gained popularity within historical research during the last two decades.[2] Nevertheless, in order to be able to use the ‘network’ concept as an analytic tool in historical studies, it arguably becomes necessary to formulate a clear definition of the term with respect to the particular research projects. In this regard scholars not only need to delineate the notion of the ‘network’ in order to distinguish it from concepts of other social phenomena, but they also strive to find tailor made ways to operationalize and to adapt theoretical models of interest for the needs of their historical research projects. The workshop will offer an opportunity for discussing such undertakings.
We therefore invite researchers in history and the social sciences undertaking research in German and late-Ottoman history to present their projects and the theoretical and methodological concepts underlying their work. The joint discussions about the projects presented shall serve to address the functionality and utility of network theory by exemplifying models of its operationalization whilst dealing with two culturally and linguistically different spaces – each possessing their very own societal, governmental, and economic characteristics and development processes. Additionally, the workshop aims to discover possible similarities and reciprocities between the German and the Ottoman contexts as a step towards a “histoire croissée” of these two regions. Finally, the focus on these polities will create an opportunity for young scholars of Ottoman and German studies to network.

The workshop is directed primarily, but not exclusively, at doctoral students and postdoctoral researchers, whom we would like to invite to discuss their research projects and their theoretical and methodological concepts in this workshop. It is possible to present projects, which deal with both Ottoman and German history, or which concentrate solely on one of the two polities. If the latter case predominates, the comparative analysis of both polities will take place in the joint discussions. The projects presented may be at an early conceptual stage. It is crucial, however, that a theoretical and methodological approach, which may be still preliminary in character, has been formulated for each project. Presenters will receive a small allowance for their participation. The organizing team will help you find accommodation and provide directions upon request.

We invite researchers and students interested in presenting their work to send a short outline of their projects (2 pages), including a title for their presentation by
31 October 2013
to ws-netzwerk-2014@zegk.uni-heidelberg.de.

The workshop will be open to those who only wish to participate in discussion, rather than present papers of their own. We kindly request interested attendants to register via email by 31 January 2014.

Venue
Heidelberg University
History Department
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg
Rooms: Übungsraum (ÜR) 1 & 2

The workshop will start on 21 February 2014, at 1.30 p.m. and end on 22 February at 5 p.m. A joint dinner is planned on the evening of 21 February.

Organisation
The workshop is hosted and funded by the Professorship for Economic and Social History, Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, at the Department of History, Heidelberg University. The organisers, Ayşegül Argıt, M.A. and Rabea Limbach, M.A. are doctoral students of Prof. Dr. Patzel-Mattern. Their research projects deal with economic networks of early industrial entrepreneurs in the “Rheinkreis”, a Bavarian province on the left bank of the Rhine in the early nineteenth century (Rabea Limbach), and with communication structures as well as political and societal networks in the late Ottoman Empire (Ayşegül Argıt).

Contact:
Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern
z.Hd. Ayşegül Argıt, M.A. & Rabea Limbach, M.A.
Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Historisches Seminar der Universität Heidelberg
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg
E-Mail: ws-netzwerk-2014@zegk.uni-heidelberg.de

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[1] Fuhrmann, Malte: Zwei Völker in Waffen. Türkisch-deutsche Interdependenzen beim nation building, in: Brunnbauer, Ulf, Helmedach, Andreas, Troebst, Stefan (ed.): Schnittstellen. Gesellschaft, Nation, Konflikt und Erinnerung in Südosteuropa. Festschrift für Holm Sundhausen zum 65. Geburtstag, München 2007, p. 231-244.

[2] Cf.: Hertner, Peter: Das Netzwerkkonzept in der historischen Forschung, in: Bommes, Michael, Tacke, Veronika (ed.): Netzwerke in der funktional differenzierten Gesellschaft, Wiesbaden 2011, p. 67.

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